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Ralf Schmitt, Torsten Voller - Ich bin total spontan — wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibtRalf Schmitt und Torsten Voller
Ich bin total spontan

KEN. Ich habe eine meiner besten Freundinnen über das Improvisationstheater kennen gelernt - und einige meiner besten Freunde dadurch verloren, dass ich ihr Improvisations-»Theater« endlich durchschaut habe. Und jetzt kommen Schmitt und Voller und wollen mit ihrem Buch »Ich bin total spontan - wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt« meines Glückes Schmiede sein? Nein!

 
 

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Ungefähr nach der Hälfte des Buches, also nach Abschluss des Werbeblocks für Spontantheater mit Ralf Schmitt (* 1975) und Torsten Voller (* 1969), dachte ich: »Wenn ich jetzt wirklich spontan wäre, dann wäre >Und tschüss!< angebracht.« Meinen Papierkorb treffe ich auf drei Meter Entfernung. Wie vermutlich bei vielen Unspontanen meldete sich jedoch mein Verantwortlichkeitsteil mit: »Vielleicht kommt da ja noch was ...«

... wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt

Nö, nicht wirklich. Und das ist das Leidvolle an der Spontanität. Sie ist ... und wech. Meistens jedenfalls. Ich habe einige Bekannte, sozusagen ehemalige Freunde, deren wichtigste Ressource ihre Spontanität ist. Und meistens ist das einzig Gute daran der hohe Unterhaltungswert, und der steigt mit zunehmender Abnahme der Fülle unserer Trollinger-Flaschen. Allerdings bin ich auf dem Land groß geworden, habe mich als Kind auf einer grünen Wiese an einen Kuhfladen voller fetter Fliegen heranschlichen - und bin mit Gummistiefeln an den mageren Füßen hineingesprungen. Das spritzt und platscht. Und danach sind alle ach so spontanen Fliegen weg. Sie sind natürlich wieder spontan und fressen dann eben auf einem anderen Haufen.

Im richtigen Leben bin ich auf diese Weise und total spontan Vorsitzender zweier Gremien geworden, die in meinem Lebensplan nicht vorkamen, ihn aber seitdem wesentlich prägten. Gleich nach der Wahl haben die spontanen Fliegen ihre Murmeln zusammengesammelt und sind woanders spielen gegangen. Die Arbeit jedoch ist bei mir geblieben. Warum eigentlich?

Schmitt und Voller verdienen ihr Geld damit, dass sie spontan sind. Das sollte mit Vergnügungssteuer bestraft werden. Denn spontan fällt mir zu Spontanität vor allem ein, dass sie eben jenen Unterhaltungswert (siehe oben) besitzt. Wenn ich ein bisschen länger nachdenke, komme ich darauf, dass wir noch immer im Dunkeln in Höhlen säßen, wenn da nicht jemand um die Ecke gedacht und Feuer gemacht hätte. Das ist gut so, und das kann ich auch. Ja, und aber (!) - ich gehöre zu der Straßenreinigung, die eklig klebriges Zeug auffegt, wenn die ach so spontanen Kamellenwägelchen Rosenmontag mit ihrem ganzen »Tataaa!« und »Alaaaf« längst verschwunden sind. Und ich schreibe Beileidsbriefe an die Angehörigen von Space-Shuttle-Besatzungen, weil irgendein Spontaner dachte: »Das geht bestimmt auch ohne Dichtungsring!«

Zurück zu Schmitt und Voller: Ich habe erwartet, dass diese beide Profis nicht nur Beispiele und sogenannte Settings für ihre Trainings rund um Spontanität präsentieren. Der Clou wäre gewesen, wenn sie den Schlagfertigkeitsmodus entschlüsselt und vielleicht noch eins drauf gesetzt hätten: Leute, seid spontan, kreativ - und übernehmt Verantwortung für eure Spontanität!

Es reicht einfach nicht, um die Ecke zu denken und bereit zu sein, Fehler zu riskieren, wofür Schmitt/Voller auf der zweiten Hälfte ihres Buches plädieren. Mit den Fehlern kann ich gut mitgehen, da ich zuviele Zombies kenne, die seit Jahrzehnten untot sind, weil sie niemals jemals etwas Neues ausprobieren und ihr ganzes Leben lang ihre Talente verbuddeln. Sie sind genauso unheilbringende Tretminen im Gelände wie die ständig flüchtigen total Spontanen. Kulturland ist meiner Meinung nach dort, wo etwas Neues entsteht und es gleichzeitig haltbar ist. Das geht nur mit einer gehörigen Prise Verantwortungsbewusstsein: Wer spontan auf eine Dichtung verzichtet, sollte den Mut haben, selbst mitzufliegen.

Ich finde »Ich bin total spontan ...« kaum zum Jubeln. Schmitt/Voller haben den eigentlichen Spontanitätsmodus nur angekratzt und damit eine Chance verpasst, auch wenn sie mit diesem Ankratzen immerhin mehr leisten als viele Schlagfertigkeitsautoren. Deren Strategie geht so:

Hast du 30 Kilo Übergewicht, dann musst du damit rechnen, dass Leute mehr oder weniger laut darüber nachdenken. Also erfinde Ausreden, die meistens ziehen: »Warum auf ein Six-Pack schielen, wenn man ein Bierfass haben kann?« Redaktionell bearbeitet heißt das: »Six-Pack? Ein Bierfass wiegt mehr!«

Um das zu überbieten, hätten Schmitt/Voller sich nicht nur für den kreativen Anteil von Spontanität, sondern für die Sinnhaftigkeit dieser Spontanität entscheiden müssen. Spontanität als Selbstzweck ist für manchen vielleicht ein Qualitätsgewinn. Die Fliegen jedoch fressen einfach woanders weiter und hoffen, dass die Kuh rechtzeitig einen neuen Haufen lässt, auf dem sie sich dann genüsslich aufblähen können - bis der nächste Bub hineinlatscht.


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