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Dominic Multerer – Klartext Dominic Multerer
Klartext

KEN. Dominic Multerer (*1991) war laut Handelsblatt mit 16 Jahren Deutschlands jüngster Marketingchef. Mit 24 und seinem zweiten Buch, »Klartext. – Sagen, was Sache ist. Machen, was weiterbringt.«, hat er jetzt eine Botschaft an die Welt der Unternehmer, ihre Mitarbeiter oder Menschen wie dich und mich.

 
 

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»Klartext« wurde als Titel bisher vor allem in einer Unterrichtsreihe genutzt, die Schülern zu einem besseren Textverständnis verhelfen soll. Dominic Multerer, Autor des vorliegenden Buchs steht dieser Zielgruppe zumindest vom Alter her noch immer näher als vermutlich den meisten, die den unterhaltsamen »Klartexter« zu Vorträgen engagieren. In seiner eigenen Generation macht er wirtschaftlich erfolgreich, was viele anderen ebenfalls gerne bereits getan hätten: sich nach allen Regeln der Kunst für den Markt zu inszenieren.

Klartext ist Trumpf bei Dominic Multerer (24)

Dominic Multerer hat als erfolgreicher »Marketeer«, wie er sich nennt, auch eine Fangemeinde in der Generation seiner Eltern und Großeltern. Ex-Bahn-Chef und Ex-Berliner-Flughafen-Bauer Hartmut Mehdorn findet den jungen Unternehmer interessant genug, um seine Meinung über Klartext beizutragen. Oliver Stock von Handelsblatt Online und Arno Zensen, dem Chef vom Team Rosberg der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft geht es ähnlich. Oder Schlagerstar Thomas Anders, die unaufdringlichere Hälfte von »Modern Talking«.

Ihnen allen räumt Dominic Multerer Platz für persönliche Aussagen zum Thema ein. Im Gegenzug bietet er ihnen ein bisschen Bühne für biografische Informationen. So bleiben sie in Erinnerung und können sich möglicherweise auch für Wikipedia aufbürsten: »Inscene Yourself!« endet anscheinend nie. Die Generationen reichen sich hier die professionelle Hand, und so haben alle etwas davon. – Tatsächlich ist das ein alter Hut. Und das ist nicht der Grund, warum mich dieser Titel interessierte.

Ich war neugierig auf Hinweise, ob das ach so deutsche Klartext in der nächsten bis übernächsten Generation noch gelten kann. Denn Dominic Multerer erfindet mit seinem Konzept etwas Altes lediglich wieder neu. Er macht das für meinen Geschmack sogar recht gut, abgesehen davon, dass es nicht nötig gewesen wäre, die einfache Botschaft auf etwa 200 Seiten auszubreiten. Der Evangelist Matthäus, sein direkter Vorgänger, hat mit »Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein, alles andere stammt vom Bösen!« dazu in einem Satz schon fast alles gesagt.

Auf diese Weise wussten junge, ehrgeizige Unternehmer wie Dominic Multerer, schon vor 2000 Jahren am besten, woran sie jeweils sind. Statt der langen Rede hätte ich mir in dem Buch ein bisschen die Atmosphäre von Tilo Dilthey (»Text-Tuning«) gewünscht. Auch der Klassiker der klaren Worte, Wolf Schneider (»Deutsch für Profis«), hätte zu »Klartext« sicher etwas anderes schreiben können als Winfried Czilwa (ebenfalls Deutsche Bahn) oder Jochen Schweizer, der zum Beispiel mit Bungee-Sprung-Anlagen sein Geld macht.

Ein Literaturverzeichnis hätte zudem ganz praktisch dem Eindruck entgegengewirkt, dass diese Personen des öffentlichen Lebens Dominic Multerers vorrangige Quellen sind, während er ansonsten den Eindruck erweckt, die Welt des Klartextes als Erster entdeckt zu haben.

Ich finde Klartext wichtig. Das gilt auch für die »Prinzipien« Dominic Multerers zum Thema: Klarheit, Ehrlichkeit, Mut, Bindung und Empathie, die seinen Klartext als strategisches Prinzip unterstützen. Diese Reihenfolge hat jedoch etwas von der Inhaltsbeschreibung auf dem Etikett des Brotaufstrichs heute Morgen: Wovon am wenigsten drin ist, das steht auf dem Etikett ganz hinten. Mir gefällt die Reihenfolge der Zutaten bei Dominic Multerer deshalb nicht.

Spätestens wenn wir mit Menschen aus Spanien zu tun haben, wie Susanne Kilian in »Don’t let me be misunderstood« beschreibt, oder mit Chinesen, wie Brigitte Ott-Göbel in »Vom Drachen zum Panda« berichtet, dann geht Klartext nur mit Empathie an erster Stelle. Dominic Multerers Klartext wäre nach Susanne Kilian typisch deutsch und die Konsequenz unzähliger Kriege, Vertreibungen und Völkerwanderungen. Sie steht in der Tradition einer nie bewältigten Verunsicherung und wird durch zu wenig Empathie und zu viel Ellenbogen sogar beschleunigt – so wie alles heute schneller gehen muss.

Ich persönlich teile Dominic Multerers Wunsch nach mehr Klartext, erst recht weil das Leben mit den Jahren immer kürzer wird. Jede Entscheidung für oder gegen etwas sagt dem Anbieter, in welche Richtung er weitergehen kann und erspart ihm monatelange Kundenumfragen. Ich wünsche mir mehr Klartext, weil mich die moderne Flüchtigkeit im privaten und beruflichen Miteinander durch die neuen Medien nervt, genauso wie das tausendfache »Keine Ahnung!« in Läden, Bussen und auf der Straße. Das gehört inzwischen so sehr zum Standard, dass der Südwestrundfunk (SWR) versucht, ihm mit »Nie wieder keine Ahnung!« allgemeinbildend entgegenzusteuern.

Ich bin bei Klartext für das wache Abwägen, bei der die eigene Meinung das angestrebte Ziel ist, während ich im Gelände mit variablen Zugängen rechne. Klartext gibt eine Richtung vor, die empathisch verhandelt werden muss, sobald der Nachbar seine gleichfalls berechtigten Bedürfnisse anmeldet und bereit ist, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Dominic Multerer beschreitet mit seinem Konzept einen ähnlichen Weg. Zugunsten der Selbstvermarktung setzt sein Buch Akzente, die vor allem den Unterhaltungswert steigern. Den (Selbst-) Marketeer kann man über die Bestellhinweise im Anhang selbstverständlich auch buchen. Er sagt der Belegschaft endlich, was Sache ist!

Dagegen ist – empathisch gesehen – wenig einzuwenden. Deshalb nutze ich zum Beispiel im Zuge meiner Abwägungen meinen ursprünglichen Einstieg bestenfalls für eigene Klartext-Coachings und -schulungen. Dort sage ich auch offen, dass mir bei Dominic Multerer vor allem sein Plädoyer für mehr Verbindlichkeit gefällt. Die Wiederbelebung dieser Tugend ist längst überfällig. Sie wird aktuell von modernen Apps torpediert, die jederzeit eine Richtungsänderung vorschlagen. Jede Zusage flattert danach wie eine Fahne im Wind. Warum soll jemand auch eine Vereinbarung oder eine Seminarzusage einhalten, wenn 500 Meter weiter spontan eine Homeparty mit den besten Kumpels stattfindet? Eine Verabredung für gleich kann ich jederzeit per Mausklick absagen. Es ist sein Pech, wenn der Partner sich bereits auf der Anfahrt, aber im Tunnel befindet oder vergessen hat, sein Handy aufzuladen …

Wenn jedoch jederzeit alles Alles und gleichzeitig sein Gegenteil bedeutet, dann geht in diesem Nebel für alle Beteiligten die Orientierung verloren. Dafür ist Hartmut Mehdorn definitiv nicht mein favorisiertes Gegengift. Vielleicht dann doch eher der Evangelist.

»Klartext« setzt neben der Verbindlichkeit Empathie voraus. Empathie ist bei Klartext kein Gewürz, sondern ein Grundnahrungsmittel. Sie hilft uns, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass jedes Tun und Lassen Folgen für alle beteiligten Systeme hat. Sonst ist Klartext nur eine Herde durchgeknallter Elefanten, die mal eben durch den Porzellanladen stürmt. Wenn das passiert, spricht Dominic Multerer eher von »Tacheles« statt von »Klartext« reden. Von der jiddischen Bedeutung des Tacheles her meinen beide Begriffe das zweckorientierte, inhaltlich klare Sprechen. Das Gegenteil davon ist das (unverbindliche) »Reden um den heißen Brei« herum.

Was davon ich in diesem Text gerade selbst tue, oder ob ich abwäge, das müssen Sie entscheiden. Ich glaube, dass ich gerade vor allem empathisch mit all denen bin, die sich mit 24 ehrlich ausprobieren und dabei erkennen, dass sie von manchen Dingen mehr Ahnung haben als sie sich zu sagen trauen.

Wer Tacheles und Klartext so deutlich wie Dominic Multerer einander gegenüberstellt, hat zwar Tacheles nicht wirklich verstanden. Aber er kennt zumindest die verletzende Wirkung zu klarer Worte im falschen Moment. Oder zumindest jemanden, der Tacheles mit einem bedrohlichen Unterton auf diese Weise erlebt hat. Wer darunter noch leiden kann, hat sich seinen Empathie-Kanal erhalten, und er sollte das als Erstes nennen. Das erfordert dann wirklich mehr Mut als die prinzipiell deutliche Ansage, die einem das Team dann immer wieder neu verzeihen muss.

Klartext ist keine Kriegserklärung, kein »Dschungelcamp« und schon gar keine Wiederholung des Wettschwimmens um das empfangsbereite Ei. Und Klartext ist nicht alles. Er ist eine Frage der Dosis und Empathie das Gegengewicht all seiner sonstigen Zutaten. – Das ist vielleicht ein guter Warnhinweis für Dominic Multerer und »Klartext«. So wie auf dem Etikett des Brotaufstrichs heute Morgen die Notiz, dass der Inhalt Spuren von Erdnuss enthalten kann. Die Warnung nehme ich wahr und kann das Frühstück anschließend genießen.


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