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Leo Martin - Ich krieg dichLeo Martin
Ich krieg dich

KEN. Ein raffiniertes Buch rund um die Manipulatoren der Geheimdienste und voll mit den wahrscheinlich eher wichtigeren Strategien, die Gegenspieler um den Finger zu wickeln. Wenn ein guter Kontakt wichtig ist, dann sicher da, wo es im Zweifelsfall ums Überleben geht. Ob man das, was Leo Martin hier anbietet, dann noch Vertrauen nennen darf? Ich habe da meine Bedenken.

 
 

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Am Anfang des Buches dachte ich, das sind nur Rapport-Techniken aus den Grundlagen des Neurolinguistischen Programmierens (NLP). Im Literaturverzeichnis von „Ich krieg dich!" stehen Dale Carnegie und „Wie man Freunde gewinnt", zwei Titel zur Nachrichtendienstpsychologie und Jack Nasher mit „Durchschaut! Das Geheimnis, kleine und große Lügen zu entlarven." Alles irgendwie nett und klassisch. Wer sich einmal darin eingelesen hat, der findet zudem an Zieldefinitionen nach dem SMART-Modell nichts mehr Aufregendes.

Geheimwaffe Vertrauen - Genießen mit Vorsicht

Leo Martin knüpft jedoch an die Grundtechniken für den Kontaktaufbau einen Fall an, bei dem er mit seinen Methoden eine Schlüsselperson des Organisierten Verbrechens als Vertrauens- oder V-Mann gewonnen hat. Das ist ein einigermaßen neuer Schlauch für alten Wein und gibt dem Ratgeber zum Thema Vertrauen ein bisschen was von einem Thriller.

Der Leser wird auch gleich als „Agent" angesprochen, als Kollege gewissermaßen, der von einem Insider in das große Getue rund um Eiserne Vorhänge und deren Entsprechungen nach Gorbatschow und Mauerfall eingeführt wird. Vielleicht braucht es manchmal solche Überzeichnungen, um ein bisschen was von Identifikation anzustoßen. Leider entspricht dies auch dem Gehabe vieler Dilettanten, die mit plumpen Manipulationstechniken jeden unnützen Kram an den Mann und an die Frau bringen wollen, ohne wirklich an ihrem Gegenüber interessiert zu sein. Qualität in Beziehungen setzt im Gegensatz dazu voraus, dass sich jemand immer wieder auch mit dem Gegenüber auseinandersetzt, das er oder sie morgens im Spiegel erblickt, während er oder sie ihn oder sie rasiert und/oder schminkt.

Gut finde ich an „Ich krieg dich!", dass Leo Martin Strategien beschreibt, die natürlich auch in vielen Situationen außerhalb des Spionageumfeldes wichtig sind. Wer beruflich als Führungskraft, Coach, Berater, Lehrender, Therapeut oder privat als Erziehender Entwicklungen bei Menschen anstoßen möchte, braucht ein bestimmtes Maß an Kontakt. Man darf das auch Vertrauen nennen. Und tatsächlich fühlt es sich gut an, wenn auf solch einer Basis innerhalb des Weltbildes des Gegenüber Veränderung geschieht und beispielsweise Verhaltensblockaden verschwinden. Das ist ohne Vertrauen kaum möglich - und es darf kein Selbstzweck sein.

Die zielgerichtete Manipulation mit einem riesigen Team von Observierern und Nachrichten-Auswertern hat mit Vertrauen nämlich nichts zu tun. Hier steige ich auch bei Leo Martin eindeutig aus und lade jeden ein, zwischen wirklichem Vertrauen und bedrängt werden aufgrund von persönlichen Informationen zu unterscheiden. Ich hätte kein Vergnügen daran, dass mein Auto schneller repariert wird, weil der Mechaniker sich daran erinnert, dass er mir im Vertrauen etwas von seinem Seitensprung erzählt hat.

Leo Martin schreibt, er habe zehn Jahre lang als Geheimagent für einen großen deutschen Nachrichtendienst Vertrauensmänner angeworben, um an brisante Informationen zu gelangen. Dafür musste er wildfremde Menschen dazu bringen, ihm innerhalb kurzer Zeit ihr geheimes Wissen preiszugeben. Damit, so finde ich, haben seine Beschreibungen einen angemessenen Ort. Für ein wirklich vertrauensvolles Verhältnis in einer angstfreien Umgebung sollte man seine Empfehlungen jedoch auf ein anderes Maß herunterbrechen. Dann passt es wieder in eine Begegnung, in der es vor allem um den anderen geht und nicht darum, was er für meine Organisation oder mein Unternehmen an Nutzen bringt, vor dessen Größe und Macht er und seine Angehörigen sich schlichtweg fürchten müssen. Letzteres ist Anwendung von Macht, die nicht einmal der eigenen Persönlichkeit entspringt:

„Als Experte für unterbewusst ablaufende Denk- und Handlungsmuster brachte er (Leo Martin) fremde Menschen dazu ihm zu vertrauen, ihr geheimes Insiderwissen preiszugeben und langfristig mit dem Dienst zusammenzuarbeiten", heißt es im Klappentext. Das mag für jemanden auf der Gehaltsliste eines Nachrichtendienstes angemessen sein. Mit Vertrauen hat das jedoch gar nichts zu tun.

Wie gesagt, ein spannendes Buch mit vielen Anregungen. - Zu genießen ja, und mit Vorsicht.


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