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Lisa Fitz - Der lange Weg zum Ungehorsam Lisa Fitz
Der lange Weg zum Ungehorsam

KEN. Bajuwarisches Vollweib ohne Kühe und Jodelei, in Leder, mit nix als 'ner Harley unterm Arsch. Eine Nüsse knackende Tina Turner in Blond - immer auf der Suche nach »Simply the Best«, dem ultimativen Liebhaber für »Steaming Windows«. Sie selbst spricht von Steiger und Stecher: Rammeln, dass sich die Scheiben beschlagen. Kurz vor 60 schreibt die Fitz, was wirklich dran ist an dem liebenswerten »Kabarett-Luder«.

 
 

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Auch nach der Biografie finde ich Lisa Fitz nicht witzig, sondern tief beseelt und trotz abgebrochenem Abitur ziemlich clever. So ging es mir auch mit Keith Richards von den Stones, der ähnlich rockt, aber tierisch verknittert ist und auf »Herren« statt »Damen« zum Pinkeln geht. Lisa ist hübscher und findet inzwischen neben Rock auch Röcke kleidsam, die sie in den späten 60ern noch trotzig abgeschnitten hätte. Mini minimiert, was bei Frauen - unter anderem - spannend ist.

»Kabarett-Luder« - scharf, lebenshungrig und unersättlich

Nicht dass die Hörner ab wären oder die Zähne glatt rasiert. Lisa Fitz bleibt scharf, lebenshungrig - unersättlich. Dafür kommt eine Autobiografie, der an sich selbst gestiftete Preis für das Lebenswerk, fast zu früh. Scharf, lebenshungrig und unersättlich war Lisa Fitz auch 1972, als sie mit Anfang 20 Wumm-tata-Musik für die Bayerische Hitparade moderierte und sagenhafte 70 Prozent Einschaltquote einheimste. FJS - Bayerns Ministerpräsident Franz-Josef Strauß - fädelte darauf ein Schäferstündchen ein, das Lisa Fitz gerade noch rechtzeitig durchschaute und ablehnte. Obwohl: der hatte was. Sagt Frau Fitz.

Lisa Fitz ist Teil einer Künstlerdynastie und ihr Stammbaum am Ende der »Erinnerungen für die Zukunft« das einzig Chronologische an ihrem Buch. Die Eltern waren Sänger, Musiker, Schauspieler und Autoren. Nepo, Lisas Sohn, musiziert und ist Kabarettist. Die Lebenspartner der Fitz waren und sind ebenfalls Künstler oder wurden unter ihren Fittichen dazu. Immer hatten sie Qualitäten, die die meisten Männer bei sich nicht ahnen, die die Fitz aber zweifelsfrei antörnen. Bis sie selbst jeweils zu zweifeln beginnt.

Außer bei Asiaten.

Soviel Rassismus ist dann noch immer ausreichend feministisch: Wer das Kamasutra des Liebemachens vertextet hat, der darf von der 13ten Rippe auch zur Krone der Krone der Schöpfung gekrönt werden. Eine Ethnologie-Komilitonin sagte nach ihrer Studie auf Jamaika, jede Frau, die etwas auf sich halte, sollte ihren Rasta haben. Seitdem halte ich alles für möglich.

Seit fast 50 Jahren ist »die Lisa« auf der Bühne. Bekannt wie eine bunte Hündin und manchmal froh, wenn sie auf einer Reise einmal einfach nicht erkannt wird. Pech allerdings, wenn man dann bei RTL im »Dschungelcamp« hohe Einschaltquoten auf sich beziehen muss. Oder als Dr. Hanna Wildbauer in »Die Gerichtsmedizinerin«.

Zwischen berühmt sein ist toll und anonym ist besser gibt es eine Spannung, die Lisa Fitz nur schwer auflösen zu können scheint. Das eine ist angenehm, das andere aktiviert jedoch keinen Bus voller Schwaben, die ihr bei einem Motorschaden aushelfen. Lisa Fitz ist entweder weiterhin im Werden oder voller Widerspruch. Was das Gleiche sein kann. Einfach ist dann, sich bei Männern zu nehmen, was Männer sich sonst bei Frauen nehmen. Habe ich gehört. Feminismus auf die leichte Art. Schwerer wäre, dafür zu sorgen, dass Männer verzichten, worauf auch Frauen verzichtet haben. Deshalb gibt es Frauenklos in Kasernen. Gleichverzichtigung wäre da die Alternative. Aber nicht die der Lisa. Und Lisa ist nicht die Einzige, die will.

Schöpfen aus dem Unerschöpflichen: »Ich möchte am Ende meines Lebens nicht sagen müssen: Mein Leben hat allen gefallen, nur mir nicht.« Das ist Lisa Fitz. Erfrischend ehrlich, wo es naiv zu werden droht.

Ich habe die Eitelkeiten abgezogen, die zu einer Autobiografie bewegen und wünsche ihr von Herzen ein langes Leben 60 plus. Lisa Fitz ist toll. Die Nähe zu überfliegenden, exzessiven Faltenheinis wie Keith Richard nehme ich auf meine Kappe. Insgesamt ist Lisa Fitz mir durch »Der lange Weg zum Ungehorsam« sympathischer geworden. Je nachdem woher sie kommen, gibt es für viele Menschen nur ein Leben. Und auch für die anderen ist das Jetzige mindestens wichtig. Weil: Ein anderes haben sie gerade nicht.



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