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Brigitte Witzer - Die Fleißlüge. Brigitte Witzer
Die Fleißlüge

KEN. »Superfleißig«, »supernett«, »superdoof« – das scheinen bereits die Antworten auf die Frage Brigitte Witzers zu sein, warum Frauen im Hamsterrad landen und Männer im Vorstand. In »Die Fleißlüge« beschreibt sie, was Frauen offenbar zu Bestleistungen motiviert, ohne dass sie deshalb auch angemessen in den Topetagen der Macht repräsentiert wären.

 
 

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Mit ihrem Buch plädiert Brigitte Witzer für einen »gesellschaftlichen Umbruch«, der Männer und Frauen gleichermaßen betrifft. Sie hofft, dass gerade die Erkenntnisse der Frauen »zum Motor dieses Umbaus« werden und beginnt dabei mit Anleihen aus der Kulturgeschichte des Fleißigseins für Frauen. Schon in den Märchen bekommt schließlich einen Prinzen, wer sich zuvor als besonders arbeitsam zeigte. Mächtige Männer dagegen müssen nicht gleichzeitig auch fleißig sein.

Warum Frauen im Hamsterrad landen und Männer im Vorstand

Brigitte Witzer findet dieses Phänomen in ihrer eigenen Kindheit, in ihrer Jugend bis hin zu ihrem (berufstätigen) Erwachsenensein bestätigt. In ihrer Herkunftsfamilie galt sie etwas, wenn sie sich um die anderen Mitglieder kümmerte. Im Berufsleben behauptete sie sich, indem sie mehr leistete als ihre männlichen Kollegen oder sich in ihrem Verhalten sogar »männlicher« gab als diese. Als sie diesen Prinzipien in ihrer Dissertation zum Thema »Führung und Menschenbild« auf den Grund ging, merkte sie, dass selbst die Hochschule mehr für das gleiche von Frauen verlangte als von ihren männlichen Kollegen.

Noch immer gelten Frauen gerade dann als »besonders qualifiziert«, wenn sie Familie und Karriere unter einen Hut bekommen – am besten in dieser Reihenfolge. Während nach Brigitte Witzer Frauen in Spitzenpositionen häufig mit dem Attribut »fleißig« beschrieben werden, ist die Position eines Mannes vor allem über seine »Macht« definiert. Männer scheinen bereits durch schiere Gegenwart glänzen zu können – und dadurch, mehr oder weniger angenehme Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen. Fleiß ist kein wirklicher Bestandteil ihres jeweiligen Status.

Brigitte Witzer ist in etwa mein Jahrgang und zur Veröffentlichung von »Die Fleißlüge« 57 Jahre alt. Sie hat sowohl im Verlagsumfeld als auch in der Hochschule erlebt, wie traditionelle Frauen- und Männerbilder einem gesellschaftlichen Umbruch widersprechen. Noch immer muss »frau« sich dafür rechtfertigen, wenn sie sich gegen (!) eigene Kinder und für (!) den Beruf entscheidet und trotzdem (!) in einer Beziehung lebt. Mindestens ein Teil dieser Trilogie trifft auf Professor Dr. Brigitte Witzer zu. Doch auch der Rest ihrer Ausführungen basiert auf tatsächlich Erlebtem.

Dabei kommt für mein Empfinden zu kurz, dass es neben den emanzipatorischen Bewegungen der Frauen immer auch Männer gegeben hat, die gemeinsam mit ihren Partnerinnen dem traditionellen Familien- und Karrierebild eine Alternative entgegensetzen. So wie Frauen vor allem über Familie und Kinder, wurden/werden Männer vor allem über ihre berufliche Position definiert. Ein Kriterium der Prinzessin für die Wahl des Prinzen ist nach wie vor seine berufliche Stellung, ob er also überhaupt in der Lage ist, eine Familie zu versorgen.

Als solche traditionellen Modelle vor 25 Jahren manche Paare aus Brigitte Witzers Generation zum Umdenken bewegten, galten Hausmänner als (berufs-) faul, während ihre Lebenspartnerinnen oft genug als »doppelt belastet« mit Beruf und Familie durchgingen.

Damals wie heute ist der Tausch überlieferter Rollen kein wirklicher Fortschritt. Die Chance dafür sehe ich dann eher darin, dass »die traditionelle Versorgerehe heute nur noch für wenige jüngere Menschen eine echte Option« ist. Leider findet Brigitte Witzer in diesem Zusammenhang bestätigt: »Modelle, in denen beide Partner Teilzeit arbeiten und jeweils im Wechsel die Kinder betreuen, sind (…) selten und vermutlich nur sehr gut ausgebildeten, sprich: sehr gut verdienenden Paaren vorbehalten.«

Auch vor 25 Jahren hat es Paare gegeben, die in einem Teilzeitmodell Familie (mit Kindern!) und Beruf unter einen Hut brachten – aus genau den Motiven heraus, die Brigitte Witzer in »Die Fleißlüge« beschreibt. Das hatte nicht zwangsweise mit guter Ausbildung zu tun oder damit, dass sie gut verdienten, sondern mit dem Bewusstsein, dass die Umkehrung der Verhältnisse lediglich das Bestehende in einer anderen Farbe ist.

Ich zucke noch immer zusammen, wenn Männer in Talkshows nahezu heldenhaft darüber berichten, wie sie zwischen drei und sechs Monaten zu Hause geblieben sind, um Windeln zu wechseln. Frauen applaudieren dazu auffällig heftig, weil sie sich »Wenigstens das!« auch von ihren eigenen Männern wünschen.

Ein gesellschaftlicher Umbruch sieht meiner Meinung nach anders aus. Er ist jedoch auch verfehlt, wenn die Kinder den überlassen werden, damit Mütter und Väter einem Hauptberuf nachgehen können. Dieses »großzügige« Angebot brauchen sie, um einen materiellen Standard zu befriedigen, der ihnen durch Luxusmodelle aufgeworben wird. – Unser Kind ohne Smartphone? Geht gar nicht!

Ich finde dieses verlogene Prinzip zugunsten der Familien in »Vater Mutter Staat« von Rainer Stadler bestens hinterfragt. Die Versorgung der eigenen Kinder »out« zu »sourcen«, nimmt die Männer eben nicht in die Pflicht. Sie »entlastet« zudem Frauen nur scheinbar in einer Rolle, die sie sich besser mit den Männern teilen sollten.

Die aktuellen Entwicklungen sind danach nur scheinbar familienfreundlich: Sie dienen vor allem wirtschaftlichen Interessen und werden nur vordergründig unter der Flagge der Gleichberechtigung von Frauen und Männern gesegelt. Vor allem dienen sie der maximalen Ausbeutung von Mehrwert schaffenden Kräften. »Familie« findet statt, wenn Frauen und Männer entweder sowieso schlafen oder sich um das Zahnweh der Kinder kümmern. Das muss für das elterliche Gemüt reichen – und findet ansonsten in der unwirtschaftlichsten Zeit für alle Beteiligten inklusive die der Hauptamtlichen in den Kindertagessstätten statt. Am nächsten Morgen sollen Männer wie Frauen eben wieder maximal nützlich für das Unternehmen sein.

Die »Fleißlüge« betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer, die sich in der Familie und im Beruf gleichermaßen weiterentwickeln wollen. Die wirklich kulturelle Evolution findet ganz langsam irgendwo in der Mitte statt und droht dort zu versanden, mit oder ohne Brigitte Witzer. Diese Evolution braucht Zeit und muss gegen Angebote verteidigt werden, die vor allem auf Konsum setzen.

Eine Revolution, die mit einem großen Knall das gesamte System umgekrempelt, wird auch »Die Fleißlüge« nicht bewirken, denn bei der/dem Einzelnen reicht das Leben in der Regel nur für eine Entscheidung: Familie oder Beruf – oder beides mit allen Konsequenzen für das eine und das andere bis hin zur Armut im Alter.

Ich habe »Die Fleißlüge« von Brigitte Witzer als Mann gelesen und kann das Buch meinen »Brüdern« nur weiterempfehlen. Ich halte reine »Sister Acts« für fragwürdig, wenn gesellschaftliche Veränderungen für Frauen und Männer gleichermaßen angestrebt sind. Selbst wenn »Die Fleißlüge« in diesem Sinn nur ein weiterer Tropfen auf dem heißen Stein sein sollte, hat das Buch den Dialog zwischen den Geschlechtern meiner Meinung nach verdient.

Ein Buch für Frauen also? Ja! - Und auch für Männer!



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