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Denis Mourlane - emotional Leading. Denis Mourlane
emotional Leading

KEN. Denis Mourlane hat Recht: Glücklich sind wir, wenn wir unsere psychologischen Grundbedürfnisse befriedigt finden. Damit schließt er sich Klaus Grawe (1943 - 2005) und dessen Bedürfnismodell an, bei dem es um Orientierung und Kontrolle, Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz, Lustgewinn und Unlustvermeidung, Bindung und Kohärenz geht.

 
 

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Wer diese Bedürfnisse seiner Mitarbeiter unterstützt, wird sie langfristig im Unternehmen halten und tut auch etwas für deren psychische Gesundheit. Denis Mourlane ist selbst promovierter Diplom-Psychologe und baut auf einen wissenschaftlich fundierten Ansatz. Den stellt er uns als »emotional Leading« mit umfangreichen Fragebögen und Strategieempfehlungen für Einzelpersonen und Teams vor. »Die Kunst, sich und andere richtig zu führen« verdeutlicht er durch zahlreiche Beispiele, wo Führung und Selbstmanagement eben nicht geklappt haben, weil die emotionalen Bedürfnisse der Betroffenen zu einem höheren Grad verletzt wurden.

Die Kunst, sich und andere richtig zu führen

Hier entgegenzusteuern, setzt ein hohes Maß an Achtsamkeit voraus. Kein Wunder, dass Denis Mourlane dann bei der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction, MBSR) landet. Dessen Entwickler, John Kabat-Zinn (* 1944), unterrichtet einen meditativen Umgang mit Stress, Angst und Krankheiten. »emotional Leading« bedeutet auch in diesem Sinn, sich selbst zu erkennen und sich selbst führen zu lernen, bevor wir dann mit anderen weitermachen.

Auch wenn Denis Mourlane in seiner Einleitung davon schreibt, dass wir im Alltag »Komplexität reduzieren« sollten, könnte genau das der Ansatz sein, seine eigenen Methoden weiterzuentwickeln. Längst schreiben nicht nur Autorinnen wie Paula Brandt (»Mayday aus der Chefetage«) darüber, dass Führungskräfte es »einfach« brauchen. Vielleicht so einfach, wie Kenneth H. Blanchard Führung in den Büchern seiner Reihe »Der Minuten-Manager« beschrieben hat. Das war in den frühen 1980ern. Bei Führung ging es auch ihm weniger um Zahlen, Daten und Fakten, sondern um die Begleitung von Mitarbeitern, die immerhin einen Großteil ihres Tags im Unternehmen verbringen und eben mehr sein sollten als das Rädchen im Getriebe oder eine Nummer in der Personalkartei.

Komplexität reduzieren gilt meiner Meinung nach auch für die Methoden, die Führungskräfte aus der Bredouille helfen sollen. Sie beginnt damit, dass Führende und Geführte die gleiche Sprache sprechen und zumindest wissen, worüber gesprochen wird. Die Kunst des emotionalen Führens besteht möglicherweise vor allem darin, emotionale Bedürfnisse offen zu kommunizieren. Und laut Paula Brandt sind die meisten Führungskräfte genau damit überfordert. Sie fürchten die emotionale Nähe ihrer Mitarbeiter ebenso wie den Blick in den eigenen Spiegel.

Vielleicht sind Bücher wie »emotional Leading« gerade deshalb so wichtig, selbst wenn sie ein Tropfen auf den heißen Stein sind und nur punktuell etwas verändern. Ich mag daher mutige Ansätze wie die des Libanesen Michael Kouly vom Cambridge Institute for Global Leadership, der laut ausruft »Forget about Leadership!« (»Weg mit Führung!«).

Wir tun unser Leben lang nichts anderes als gute Gefühle anzustreben und schlechte zu vermeiden. Das eigentliche Ziel ist Glück, unser eigenes, und wenn wir schon mit anderen Menschen zu tun haben, auch das der anderen. Das ist das Grundgesetz für individuelle und gesellschaftliche Gesundheit, und nicht umsonst gibt es inzwischen das Schulfach Glück und in manchen Ländern sogar Ministerien für Glück.

Nun ist Glück jedoch nichts, was wir ständig ertragen könnten. Das geht schon neurophysiologisch nicht. Glück findet in den Momenten statt, in denen wir möglichst viele unserer emotionalen Bedürfnisse gleichzeitig befriedigt finden. Denis Mourlane erklärt hierzu die physiologischen Grundlagen dieser Bedürfnisse, ihre Entwicklung und den Einfluss, den unsere (soziale) Umgebung darauf ausübt.

Faktisch können wir gar nichts tun, ohne dass Gefühle dabei eine Rolle spielen. Wie diese Gefühle benannt und welche uns als »höherwertige« Emotionen angeboten werden, das unterscheidet sich von Autor zu Autor. Wir kaufen uns jedoch nicht einmal ein Mobiltelefon, ohne dass wir damit Bedürfnisse und Emotionen befriedigen wollen. Wie viel mehr streben wir daher an, auch im Beruf unsere wichtigsten Gefühle bestätigt zu finden? Und das täglich!

Leider werden an dieser Stelle die Begriffe undeutlich. Gefühle, Emotionen, Bedürfnisse, Grundbedürfnisse und Werte … Auch Denis Mourlane und »emotional Leading« sind davon betroffen, dass es hier keine Eindeutigkeit gibt. Und gäbe es sie, könnte bereits unser Nachbar unserem Verständnis widersprechen. Jede konkretere Vorgabe wie nach Grawes/Mourlane erschwert die ständige Abstimmung – im Management mit den Mitarbeitern wie in der Familie mit den Angehörigen.

»emotional Leading« ist ein guter Impuls für diesen dauernden Abgleich von Angeboten und Reaktionen mit den eigenen Erfüllungskriterien und denen des jeweiligen Mitarbeiters und zwar aufgrund von dessen eigener Geschichte und deshalb im Rahmen seines Weltbildes.

Im Englischen und Deutschen gibt es angeblich weit über 4000 Wörter, die Gefühle beschreiben. Oft sind es sehr feine Unterschiede, die aber von Person zu Person extrem durchschlagend sein können. So dürfen wir davon ausgehen, dass Erfolg mit einem starken Gefühl verbunden ist. Trotzdem hat jeder seine eigenen Kriterien für Erfolg. Der eine sieht die Zahlen, der nächste, dass das Projekt endlich fertig ist und der dritte die Feier mit glücklichen Kollegen.

Ich glaube, dass Achtsamkeit jenseits des kultigen Zugangs im Rahmen der aktuellen MBSR-Welle dem »emotionalen Leading« vorausgehen muss. Die Sprache muss dabei sehr offen bleiben. Jede Vorgabe erreicht hier nur diejenigen, die einem bestimmten Modell wie dem von Klaus Grawe nahestehen. Je einfacher ein Ansatz also ist, umso besser ist das vermutlich auch. »Verschaffe dir selbst und anderen gute Gefühle – und tue nichts anderes!« könnte eine Kurzformel sein. Oder besser noch: »Verschaffe anderen gute Gefühle und fühle dich selbst gut dabei!«

Denis Mourlane hat seinen Zugang, wie er schreibt, »wissenschaftlich begründet« und »in der Praxis erprobt«. Er bietet uns einen umfangreichen Katalog von Tests zur Selbst- und Fremdeinschätzung sowie Übungen im privaten und beruflichen Alltag. Das macht sein Buch insgesamt zu einer Schatzkiste, in der wir kräftig stöbern können. Vielleicht stärkt das unsere eigene Achtsamkeit im Umgang mit einem nie endenden Prozess, den Denis Mourlane »emotional Leading« nennt.



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